Dolmetschen in Gebärdensprache

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Leistungen

Allgemein betrachtet ist das Dolmetschen der Oberbegriff für die Übersetzung eines gesprochenen Textes in eine andere Sprache. In diesem Falle also von Deutscher Lautsprache in die Deutsche Gebärdensprache und umgekehrt.
Der Gebärdensprachdolmetscher nimmt eine Nachricht in der jeweiligen Ausgangssprache »Deutsche Gebärdensprache« bzw. »Deutsche Lautsprache« auf. Sie wird auf ihren Inhalt und deren Bedeutung hin analysiert und in die jeweils benötigte Zielsprache übertragen. Hierbei muss auch der Sprachstil der jeweiligen Sprachkultur berücksichtigt werden. Diese Prozesse verlaufen alle parallel und erfordern daher ein hohes Maß an Konzentration. Ein zeitlich unbegrenztes Dolmetschen ist aus diesem Grund nicht möglich.

Warum arbeiten
Gebärdensprachdolmetscher im Team?

Die Doppelbesetzung ist eine gegenseitige Unterstützung eines Dolmetscherteams während einer Veranstaltung. Simultandolmetschen ist eine geistig und physisch starke Anforderung für jeden Gebärdensprachdolmetscher, da das Gehörte / Gesehene wahrgenommen, verstanden, analysiert und in die jeweils andere Sprache gleichzeitig wiedergegeben werden muss. Als Folge von diesen komplexen Prozessen treten Ermüdungserscheinungen auf. Dieser Ermüdung und der damit abfallenden Dolmetschqualität kann durch das Arbeiten im Team vorgebeugt werden.

Arbeiten im Team / Doppelbesetzung

In einem gewissen Zeitrahmen wechseln sich der aktive und passive Part regelmäßig ab. Die Aufgabe des passiven Kollegen ist es, weiterhin aufmerksam zuzuhören / zuzusehen und seinen aktiven Kollegen zu unterstützen, damit eine gleich bleibende Leistung sichergestellt werden kann. Das Arbeiten im Team ist ab 4 Gesprächsteilnehmern und / oder einer Veranstaltung ab 60 Minuten Länge notwendig. Manchmal kann jedoch auch eine Veranstaltung von 45 Minuten eine Doppelbesetzung erforderlich machen, da diese oft mit einer sehr hohen Rededichte verbunden ist und eine wesentlich höhere Anforderung an die Gebärdensprachdolmetscher darstellt.
In Rücksprache über die Einsatzbedingungen kann trotzdem eine Einzelbesetzung möglich sein.

Je besser die äußeren Rahmenbedingungen sind, desto besser ist selbstverständlich der Gesprächsverlauf / die Veranstaltung. Zu achten ist daher auf ausreichend helles Licht, möglichst kein blendender Hintergrund und die räumliche Nähe zur sprechenden / gebärdenden Person.

Hilfreiche Kommunikationsregeln

  • der Gehörlose / Schwerhörige ist der Ansprechpartner, Blickkontakt zu ihm halten
  • der hörende Gesprächsteilnehmer achtet auf eine deutliche, flüssige Sprechweise
  • während des Dolmetschprozesses gebärdet / spricht einer nach dem anderen
  • der Gebärdensprachdolmetscher ist nur als Sprachmittler zu sehen

Qualität / Pausen

Laut empirischer Studien hat ein längeres Simultandolmetschen ohne Pause ergeben, dass dies zu Lasten der Richtigkeit der Inhalte geht. Die Qualität der Verdolmetschung wird davon negativ beeinflusst. Den Ergebnissen zufolge hat die Fehlerrate innerhalb von 30 Minuten durchgehendem Dolmetschen stark zugenommen, während die Einschätzung der Leistung durch den Gebärdensprachdolmetscher parallel dazu abgenommen hat. Vorbeugen kann man diesem Verlauf durch die oben beschriebene Doppelbesetzung.

Doch Gebärdensprachdolmetschen bedeutet auch eine einseitige Belastung der Muskeln und Gelenke. Um gesundheitlichen Folgeschäden vorzubeugen, fordern Gebärdensprachdolmetscher in gewissen Abständen eine Pause ein. Es wird auch empfohlen, pro Tag 4 geleistete Dolmetschstunden (inklusive Pausen) nicht zu überschreiten. Gesprächssituationen mit vielen Störgeräuschen, hoher Informationsdichte, schnellem Redefluss u.a. machen häufigere Wechsel des aktiven / passiven Parts nötig sowie eine Einforderung von Pausen in kürzeren Abständen.

Berufs- und Ehrenordnung / BEO

Gebärdensprachdolmetscher unterliegen der Berufs- und Ehrenordnung. Diese besagt unter anderem, dass nicht akzeptable Arbeitsbedingungen einer gewissenhaften und professionellen Arbeitsausübung zuwiderlaufen. Auch nur die geringsten inhaltlichen Verzerrungen im Dolmetschprozess können Folgen mit sich bringen, die unüberschaubar für die Beteiligten sein können. Den beschriebenen Empfehlungen sollte daher Folge geleistet werden, um unnötige Fehler und die damit verbundenen Risiken zu vermeiden.